Demokratie im digitalen Zeitalter
29. Juni 2026 – Anlässlich ihrer Hauptversammlung befasste sich die Die Mitte Werdenberg mit der Frage, wie die Künstliche Intelligenz die politische Meinungsbildung beeinflussen wird.
Buchs Den Hauptteil der Hauptversammlung bildete der Rückblick auf das Vereinsjahr. Co-Präsident Luca Frei hob besonders die Anlässe der Partei hervor. An diesen waren namhafte und interessante Referenten zu Gast, so unter anderem Hanspeter Krüsi, der ehemalige Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, oder Ständerat Beni Würth. Auch Regierungsrat Bruno Damann konnte anlässlich der Neujahrsbegrüssung in Sennwald begrüsst werden. Als weiterer Anlass ist zudem ein Besuch der Frühlingssession in Bern zu nennen.
VUKA-Welt
Im Anschluss an die Hauptversammlung referierte Simon Wild darüber, wie die Künstliche Intelligenz die politische Meinungsbildung verändert. Der ausgebildete Data Engineer ist Projektkoordinator für KI und Digitale Transformation beim Kanton St.Gallen und selbst politisch aktiv. So wirkt er in den Vorständen der Die Mitte Wil-Untertoggenburg und der Die Mitte Wil mit.
Nach Wild leben wir in einer VUKA-Welt. VUKA steht für Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Die Volatilität komme darin zum Ausdruck, dass vieles nur flüchtig sei; politische Debatten könnten innert Stunden kippen. Die Unsicherheit spiegle sich darin wider, dass unvollständige Informationen über die künftige Entwicklung bestünden. Dies bereite den Boden für die Verbreitung von Unwahrheiten, Halbwissen und Gerüchten. Komplexität äussere sich in den starken Wechselwirkungen, die in einer vernetzten Welt bestünden und es schwer machten, komplexe Zusammenhänge zu überblicken. Ambiguität schliesslich bedeute, dass Ereignisse unterschiedlich interpretiert werden könnten, was besonders in den sozialen Medien zum Ausdruck komme.
Kampf um die Informationsmacht
Nach Wild sei die Welt zwar schon immer VUKA gewesen, doch die Intensität, mit der sich Informationen verbreiten würden, habe drastisch zugenommen. Es bestehe ein Kampf um die Informationsmacht, denn wer die Informationen kontrolliere, könne auch die Öffentlichkeit in seinem Sinne beeinflussen, im Guten wie im Schlechten. Das äussere sich besonders in den sozialen Medien. Durch personalisierte Werbung werde eine bestimmte Zielgruppe gezielt mit einseitigen Informationen bedient.
Wie Wild anhand von Beispielen aus dem Internet aufzeigte, wird es dabei immer schwieriger, Wahrheit und Täuschung zu unterscheiden. Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten mittlerweile täuschend echte Bilder erstellt werden. Dies biete enormes Missbrauchspotenzial. So nutzten insbesondere autoritäre Staaten sogenannte «Bots», also automatisierte Programme, die wie echte Menschen wirken, um in den sozialen Medien Beiträge zu verbreiten, zu kommentieren und so in demokratischen Staaten gezielt für Spaltung zu sorgen sowie die öffentliche Meinung zu manipulieren.
Der rasante Aufstieg der Künstlichen Intelligenz
Eine neue Dimension stellt die Künstliche Intelligenz (KI) dar, insbesondere die generative KI. Diese ist dem menschlichen Gehirn nachgebildet. Sie soll Bilder erkennen, Texte verstehen und Entscheidungen treffen können. Bekanntester Vertreter ist der Chatbot «ChatGPT». Diese Anwendung hat in kurzer Zeit rasant an Nutzern gewonnen.
Doch Wild relativiert auch: Um die generative KI bestehe momentan ein enormer Hype. Bis jetzt habe sie jedoch noch nicht die erhofften Produktivitätsgewinne gebracht. Dennoch sei diese Technologie gekommen, um zu bleiben, und sie habe enormes Potenzial. Die Politik, so sein Fazit, müsse daher auf diese Veränderungen vorbereitet sein. Es gehe darum, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Dabei bewege sich die Politik im Spannungsfeld zwischen Regulierung und Innovation. Einerseits gelte es, sich vor den möglichen Gefahren der KI zu schützen, andererseits müsse aber auch verhindert werden, dass man technologisch ins Hintertreffen gerate. Die Ausführungen von Wild liessen die Mitglieder fasziniert, aber auch nachdenklich zurück und boten beim anschliessenden Apéro viel Gesprächsstoff.
